RUSSLAND SIBIRIEN 

Von der Mongolei nach Russland. Wir erreichten die Grenze in Kyakhta um 15 Uhr am Nachmittag. Ich war zur Abwechslung mal als letztes Fahrzeug in der Warteschlange. 12 Fahrzeuge kamen noch am selben Tag rüber und ich, mit weiteren 5 Fahrzeugen standen bis um Mitternacht in Warteposition. Dann legten wir uns hin und konnten bis 5 Uhr früh kurz schlafen bis es weiter ging. Die Russen haben uns schikaniert, immer wurden andere Fahrzeuge vor gelassen bis wir entgegen den Anweisungen einfach beide Fahrspuren blockierten, so das gar nichts mehr ging.  Das half, trotzdem dauerte das ganze Prozedere bis anderntags um 11 Uhr. 

Dann waren noch 200 km zu fahren bis zum nächsten Übernachtungsplatz-Platz in Ulan Ude.




Die nächste Etappe brachte uns zum schönen Baikalsee. 

Der Baikalsee ist mit 1642 m der tiefste See der Erde. Seine auf 455,5 m Höhe über dem Meeresspiegel gelegene Wasseroberfläche ist 31.722 km² groß. Der See besitzt eine Uferlänge von rund 2125 km, ist vom Südwesten zum Nordosten 673 km lang (Mittellinie des Baikals) und maximal 82 km breit. Seine durchschnittliche Breite beträgt 48 km. 

Die Winter (November bis März) sind mit Durchschnittstemperaturen um −20 °C trocken-kalt, es herrscht von Anfang November bis Ende März Dauerfrost. Die Temperaturen können aber auch bis auf etwa −50 °C fallen. Der Frühling (April/Mai) und der Herbst (September/Oktober) sind mit jeweils nur zwei Monaten sehr kurz. Nachtfröste kann es bis in den Juni hinein geben und dann bereits wieder ab Ende August. So sind wir also zur richtigen Zeit hier im Juli. Wir genießen angenehme 20° bis 25°C.

Der Baikal bildet das größte Reservoir flüssigen Süßwassers der Erde mit einem Fünftel der flüssigen Süßwasserreserven. Der See hat ein Volumen von 23.615,39 km³, was etwa dem 480-fachen Wasserinhalt des Bodensees entspricht. Gespeist wird der Baikalsee von 336 Flüssen und unzähligen Bächen. Die größten Flüsse sind die Obere Angara, die Selenga und der Bargusin. Die Angara ist der Abfluss des Sees und einer der großen Flüsse Sibiriens. Trotz ihrer gewaltigen Abflussmenge müsste die Angara etwa 400 Jahre lang fließen, bis der Baikalsee geleert wäre. Wir waren ja auch am Kaspischen Meer und da hatte ich auch berichtet, dass dieser der größte See der Erde gelte. Das trifft zwar zu, jedoch ist das Wasser des Kaspischen Meeres gegenüber jenem des Baikalsees kein reines Süßwasser, auch wenn der Salzgehalt geringer ist als in den Ozeanen.



Die ersten beiden Nächte verbrachten wir in Babuschkin am Ostufer des Baukalsees. Auf der Fahrt dahin besuchte ich eine Orthodoxe Kirche und fotografierte mal die überall in den Dörfern stehenden,  kleinen Holzhäuser der hier lebenden Burjaten, eine mit Mongolen verwandelte Volksgruppe. Diese gehören zum zahlreichsten nichtslawischen Volk rund um den Baukalsee.





Der von der Reiseleitung reservierte Platz in Babuschkin gefiel uns nicht so gut, so entschieden wir (Hans, Irene, Hansueli, Elisabeth und ich), uns außerhalb direkt am Seeufer hin zu stellen. Wir genossen dort die schöne Aussicht und einen tollen Sonnenuntergang.

Insgesamt vier Nächte verbrachten wir in der Gegend des Baikalsees in Babuschkin und Listwjanka. An verschiedenen schönen Plätzen hatten wir übernachtet und die schönen Aussichten auf den See und auf den einzigen Abluss dem Fluss Angara genossen. 

Mit einer gemütlichen Gondelbahn ging es auf eine Anhöhe wo man eine schöne Aussicht auf Port Baikal hatte.



Vor Irkutsk besuchte ich ein Freilichtmuseum mit typischen alten Block-Häusern aus früheren Zeiten.





Über Irkutz, Tulun und Taischet geht es nun zügig Ruchtung Westen.


Straßenbahn in Irkutsk.

Irkutsk ist die Hauptstadt der russischen Oblast Irkutsk (Bezeichnung für einen größeren Verwaltungsbezirk) am einzigen Abfluss des Baikalsees, der Angara. Sie ist eine Universitätsstadt mit 587.891 Einwohnern und liegt an der Transsibirischen Eisenbahn.


Am Abend spartierten wir durch die Altstadt. Alles scheint unterwegs zu sein. Die Einheimischen sind gut gekleidet, die Restaurants und Kneippen sind voll, man könnte gerade so gut in einer westlichen Stadt sein. Wir bekamen feine Pizzas und  wieder einmal guten Cappuccino mit leckerem Eis.

Meist übernachteten wir an Flussufern wie zum Beispiel hier an der  Birjussa.


Hier gab es ein Grillfest zu Rainer’s Geburtstag.

Und immer wieder tolle Abendstimmungen, da kann ich nicht genug davon sehen!

Ein weiterer 400 km langer Fahrtag durch die sibirische Taiga, führte uns nach Krasnojarsk, wo wir zwei Nächte am Ufer des Eniseb-Flusses stehen. Hier im Süden des  Gebiets ist das Land permafrostbodenfrei so sah man unterwegs doch einige Anbauflächen. Krasnojarsk war zu Sowjetzeiten eine für Ausländer gesperrte Stadt. Die Stadt liegt auch an der Transsibirischen Eisenbahn. Wir folgen ja dieser Strecke der Transsib. Mit rund 1.Mio. Einwohnern ist Krasnojarsk nach Nowosibirsk und Omsk die drittgrößte Stadt Sibiriens. Sie ist die Hauptstadt der Region Krasnojarsk und ca. 4100 km östlich von Moskau gelegen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit Bus und deutscher Reiseführung zur Stadt-Besichtigung.


Anna unsere Stadtführerin durch Krasnojarsk, vor dem Denkmal von Anton Tschechow.




Historisches Schiff welches sowohl den Zaren-Sohn Nikolai als auch Lenin transportierte.


Und wieder 400 km weiter bis nach Mariinsk. Unterwegs besuchte ich das Wasserkraftwerk in Diwngorsk. Mit seinen 12 Turbinen hat das Kraftwerk eine Leistung von 6000 Megawatt und gehört damit zu den größten der Welt. Eine Besonderheit ist aber das zweit größte Schiffshebewerk der Welt. Ein selbstfahrender Trog mit einer Innenabmessung von 90 mal 12 Meter und einer Gesamtmasse von 8100 Tonnen, transportiert über eine Zahnradbahn die Schiffe vom Ober- zum Unterlauf oder umgekehrt.



Mariinsk war unser nächster Übernachtungsplatz. Dort gibt es eine Gulag-Gedenkstätte. An den Goldminen hatten hatten mehrere Tausend Menschen gearbeitet. Viele waren Sibirienverbannte. Mariinsk das direkt an der Sibirischen Eisenbahn und Straße lag, wurde zum Knotenpunkt der sibirischen Verbannung. Insgesamt gab es in der Region von 1929 bis 1960 mehr als 400 Lager, wo ca. 2.5 Mio. Menschen gefangen gehalten wurden.
Eine Schmalspurbahn die zu einer Baracke führt, erzählt die Geschichte der Verbannung und symbolisiert den Weg der erlittenen Not. 




Erschiessungswand Menschen-Siluetten und Kugelspuren.

Wieder 400 km weiter sind wir nun in der größten Stadt Sibiriens in Nowosibirsk.

Nowosibirsk ist nach Moskau und Sankt Petersburg die drittgrößte Stadt Russlands und die größte Stadt Sibiriens. Die Metropole der Oblast Nowosibirsk in Westsibirien hat 1.6 Mio. Einwohner.


Bahnhofsgebäude als Knotenpunkt der Sibirischen Eisenbahn.






Die neue zweispurige Eisenbahnbrücke über die Ob.


Ein Ausschnitt der ersten einspurigen natürlich viel massiver gebauten Eisenbahnbrücke ist als Andecken erhalten geblieben.

Der Fluss Ob, oft in Kreuzworträtseln gefragt, ist eine der wichtigen Wasserstraßen zur Erschließung des Nordens von Sibirien neben dem Jenissei in Zentralsibirien und der Lena in Ostsibirien. Der Fluss ist auf seinem Oberlauf durchschnittlich während 190 Tagen und auf dem Unterlauf während 150 Tagen des Jahres schiffbar. Die wichtigsten Häfen am Ob sind Nowosibirsk Surgut und Labytnangi. Dabei dient der Ob hauptsächlich dem Transport von Waren wie Rundholz, Schnittholz, Baustoffe, Lebensmittel und Kohle in den bzw. aus dem Norden. Den Transport in west-östlicher Richtung übernimmt die Eisenbahn, etwa die Transsibirische Eisenbahn, die den Ob in Nowosibirsk kreuzt. Nun kann ich auch verstehen weshalb riesige Flächen in Nordsibirien Sumpfgebiet sein müssen. Alle großen Flüsse die wir bisher überquert hatten fließen nach Norden in das Nord-Polar Meer. Stätte wie Novisnibirk, Krasnojarsk oder Omsk liegen auf 100-200 m Meersehöhe. Die Strecke bis zum Polarmeer ist ca. 3000 km lang, das ergibt so wenig Gefälle, das die großen Flüsse sich in der Breite ausdehnen müssen. 
Zwei Tagesetappen weiter sind wir mit Zwischenstopp an einem See, bis nach Omsk gekommen. Hier könnte man die Zeit wieder eine Stunde zurücksetzen. Ich war schon um die Mittagszeit da, so konnte ich mal auf eigene Faust die Stadt besichtigen, den Am nächsten Tag ging es schon wieder weiter Rihung Westen. Vom Übernachtungsplatz bei einem Sportstadion bestellte ich mal Uber und das ging so gut das ich ganz begeistert von dieser Möglichkeit bin. Auf der Karte wählte ich den Ausgangspunkt meiner Stadtbesichtigung, bestellte über die App ein Fahrzeug und konnte per Fingerklick bezahlen. Auf dem Display sah ich das Fahrzeug welches mich abholte. Das ist praktisch wenn man die Sprache nicht kann. Der Fahrer wusste ja wo er mich hin zu bringen hatte!



Wieder zwei Tagesetappen weiter durchqueren wir die Stadt Tjumen.


Wir stoppten aber ca 30 km hinter Tjumen an den heisse Quellen welche es hier gibt. Ich benutzte die Gelegenheit um sowohl im See als auch im Thermal-Schwimmbecken einige Runden zu drehen und auch mal in der Badehose draußen an der angenehm warmen Sonne zu sitzen.

Mit der nächsten Etappe haben wir Sibirien verlassen. Wir erreichten die Stadt Jekaterinburg welche zum Ural gehört, aber noch in Asien liegt. Irina führte uns mit Bus und zu Fusd durch die schöne Innenstadt. Ein historisch besonderer Platz ist dort wo heute die Blut-Kathedrale steht. Die Kathedrale auf dem Blut ist eine russisch-orthodoxe Kathedrale. Sie wurde von 2002 bis 2003 an der Stelle errichtet, an der im Nachgang der Oktoberrevolution die Zarenfamilie 1918 ermordet wurde. 
Die Ermordung der Zarenfamilie durch die Bolschewiki ereignete sich in der Nacht von 16. auf 17. Juli 1918 in Jekaterinburg. Lenin und Swerdlow der Gouverneur der Region waren zu der Überzeugung gekommen, dass ein Prozess gegen den ehemaligen Zaren zu riskant sei. Ein unschuldiger Zar hätte die Richtigkeit der Revolution in Frage gestellt. Der Rat der Volkskommissare in Moskau beschloss die Vernichtung der Zarenfamilie in Jekaterinburg. 

In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 führte man die Zaren Familie in den unteren Teil des Hauses wo heute die Kathedrale steht. Den Romanows und ihrer Dienerschaft wurde mitgeteilt, dass sie zu ihrem Schutz in den Keller gebracht würden, da es in dieser Nacht zu Schusswechseln in der Stadt kommen könne. Anschließend wurden alle in dem Keller des Hsuses erschossen. 




Keller, untere Etage in der Kathedrale.



Oberer Teil der Kathedrale.


 Nach dem Zerfall der Sowjetunion, wo Religion ja verboten war, wurden die Mitglieder der Zarenfamilie von der russisch orthodoxen Kirche heilig gesprochen.





Jekatrinburg war und ist auch heute noch ein wichtiger Industrie Standort. Hier wurden viele Rüstungsgüter produziert. Deshalb war auch diese Stadt damals für Ausländer gesperrt.


Das ehemalige Haus eines Kaufmanns wurde für 35 Mio. Euro renoviert und dient heute als Gästehaus für die Regierung, hier hatten auch schon Putin und Angela Merkel miteinander getagt.


Blick von unserem Übernachtungsplatz auf die modernen Fassaden in Jektrinburg. Auf den Fassaden läuft eine mittels LED erzeugte Lichtshow.