Sept. und Okt. 2011 Schiffsreise nach Buenos Aires

Exis in WerkstattDie Reise begann am 5. September 2011. Nun bin ich unterwegs. Das Wohnmobil ist rundum erneuert so das ich hoffe keine, oder nur kleinere Pannen unterwegs zu haben. Langsam beginne, ich zu packen.

5. September 2011

Abreise von Rüttenen und Fahrt nach Hamburg zum Einschiffen. Um 11 Uhr bin ich von Rüttenen gestartet. Der Abschied von Silvia This und der kleinen Lina viel mir schon schwer. Was wird sein wenn ich im Frühjahr 2012 wieder nach Hause zurückkehre?

Auch Lupa vermisse ich. Es ist für mich einfach noch ungewohnt, dass sie nicht dauernd hinter mir herläuft.

Die Fahrt über die mir wohl bekannt A5 verlief gut, nirgends Staus, so dass ich heute bis nach Göttingen fahren konnte. Ein kleines Missgeschick ist mir beim ersten Kaffeestopp passiert. Beim Aussteigen fiel mir das IPhone auf den Boden, das Glas zerbrach. Ich hoffe, dass Scherben wirklich Glück bringen! In Hamburg soll es gemäß Internet Recherche eine Firma geben, welche das wieder reparieren kann. Also werde ich Morgen zusehen, dass ich es bis dorthin schaffe.

Ich stehe auf einem Wohnmobil- Stellplatz nahe der Stadt, so dass ich die schöne Altstadt noch kurz besichtigen konnte. Am Stellplatz gibt es unbeschränkten WLAN Zugang für nur 1 €. So konnte ich bereits die 1 Skype Video Verbindung mit Silvia herstellen.

6. September 2011

Bis Hamburg war es ja nicht mehr weit. Doch mit dem Wohnmobil, mitten im Stadtzentrum einen Parkplatz zu finden kostete schon einige Nerven. Das IPhone wird nun bis Morgen repariert. Ohne Verbindung zum Internet ist es schwierig einen geeigneten Stellplatz zu finden. Die Adresse des Reisemobilplatzes in Hamburg hatte ich natürlich nicht auf Papier sondern im IPhone festgehalten. Also habe ich den Platz natürlich nicht gefunden. Ich Übernachtete schlussendlich am Fischmarkt, da gibt es einen grossen Parkplatz direkt an der Hafeneinfahrt.

7. September 2011

Nun wieder online, konnte ich den Reisemobilplatz in der Nähe der Elbbrücken heute Morgen erreichen. Dort habe ich weitere Panamericana-Reisende aus der Schweiz und Österreich angetroffen. Nach einem ausgiebigen Stadtbummel habe ich erfahren, dass unser Schiff erneut Verspätung hat. Nun soll es angeblich am Samstagmorgen losgehen. Was soll’s ich habe ja Urlaub!

8. September 2011

Heute war ich im größten Modellbahn Museum der Welt, und habe dort nicht nur Modelleisenbahnen, sondern auch einen kompletten Flugplatz mit an- und abfliegenden Flugzeugen gesehen. Eine riesige Technik steht hinter dem ganzen. Ein Containerschiff ist da auch in einem Hafen rumgekurvt. Ich hoffe dass ich das im grossen Massstab Morgen hier sehe.

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9. September 2011

Heute hätte Bea ja Geburtstag gehabt.

Ich bin noch einmal ausgiebig durch die Stadt gepilgert, so dass ich Hamburg nun sehr gut kenne. Unser Schiff kurvt vor der Elbeeinfahrt noch rum, will offensichtlich 20110909-183104Hafengebühr sparen. Aber Morgen Samstag um 10 Uhr dürfen wir endlich vorfahren. Wir sind mittlerweile 4 Womos, 2 aus der Schweiz, 1 aus NL und 1 aus Österreich. Ich freue mich, dass es endlich losgeht.

Samstag und Sonntag 11. September 2011

So schnell ging es dann doch nicht los. Wir waren um 10 Uhr pünktlich am Hafen, dort teilte man uns mit, dass die Wohnmobile als letzte an Bord gehen dürfen und wir also bis um ca. 18 Uhr warten müssen. Schlussendlich kamen wir dann um ca. 20 Uhr endlich auf’s Schiff. Weil wir ja alle unsere Kühlschränke leeren mussten hatten wir nichts zum Essen bereit. Auf dem Schiff gab es dann aber noch ein Nachtessen. Ausser den bereits erwähnten Womoreisenden, kam noch ein junges Paar aus Deutschland dazu, die auch nach Argentinien reist, dort

. aber auf eigene Faust das Land entdecken will. Wir verstehen uns alle gut und haben Spass zusammen.

Das Schiff hat um ca. 1 Uhr in der Nacht abgelegt. Ich bin natürlich nochmals aufgestanden und habe die Hafenausfahrt von der Reling aus genossen. Heute Sonntagmorgen gab es eine Führung wo man uns Waschmaschine, Fitnessraum Internet usw. erklärt hat. Man darf pro Tag ein Email mit 1 Kb absetzen ohne Beilage, weil das sehr teuer ist über Satellit zu kommunizieren.

Montag12. September 2011

Nach dem Mittagessen haben wir in Tilbury angelegt. Es ist äußerst interessant, wie ein so grosses Schiff in einen Hafen einfährt. Das ganze dauert ca. 2 Stunden, ab Hafeneinfahrt bis zum Anlegeplatz. Nun bin ich in Tilbury und sitze bei Mc Donald, da kann man gratis WiFi benutzen. Das Schiff fährt erst Morgen weiter. Die Fahrt (ca. 50 km) nach London City wage ich nicht alleine. Ich möchte nicht, dass mir das Schiff vor der Nase wegfährt. Bei der Hafeneinfahrt war es sehr windig, so dass gleich 3 Schlepper das Schiff vor dem Abtriften quer halten mussten. Mittlerweile scheint die Sonne und es ist wieder warmes Wetter.

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Dienstag 13. September 2011

Gestern hatte ich Probleme, als ich wieder durch die Hafenkontrolle zurück zum Schiff wollte. Ich hatte auf meiner Passagierkarte, welche ich von der Besatzung erhalten habe, einen falschen Schiffsnamen. Also mussten die beim Schiff anrufen und ein Officer musste mir eine korrekt ausgestellte Karte bringen. Im Büro wo ich vorübergehend warten musste, haben die mir gesagt, dass das Schiff erst am Mittwoch weiterfahren würde. Beim Nachtessen habe ich nun zwei mutige Mitreisende, Jörg und Margret gefunden, welche Morgen auch mit nach London kommen. Im Hafenbüro wollen die uns helfen den Bahnhof zu finden. London ist knapp 50 km entfernt von hier. Wer mich kennt, weiss dass ich nicht einfach hier rumsitzen kann, wenn es andere Alternativen gibt. Ich freue mich mal kurz wieder eine Stadtrundfahrt in London zu machen.

Blick in meine Kabine

Blick in meine Kabine

Mittwoch 14. September

Heute war ich in London, zusammen mit Margret und Jörg aus der Schweiz, sie machen auch dieselbe Reise in Südamerika. Wir haben eine offizielle Stadtrundfahrt gemacht. London hat sich seid meinem letzten Besuch nicht gross verändert.

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Mittwoch 14. September bis Sonntag 18.September 2011

Inzwischen waren wir in Antwerpen. Dort war es unmöglich von Bord zu kommen, weil erstens die Wege sehr weit waren und weil Inspektion an Bord war. Alle waren sehr aufgeregt. Es gab eine Alarmübung an der wir Passagiere uns aber nicht beteiligen mussten. Es ist interessant zuzusehen wie in den Häfen verladen wird.

Das Essen an Bord ist sehr gut, halt wie beim Italiener, bereits zum Frühstück gibt es Pizza und Pizzabrot. Mittags und abends immer ein 4-Gänger. Es gefällt mir.

Heute Sonntag Sitze ich in Le Havre und muss zusehen, dass ich um 12 Uhr wieder auf dem Schiff bin. Es geht weiter, angeblich werden Bilbao und Lisabon nun nicht angefahren. Wir reisen direkt nach Dakar.

Montag 19.September 2011

Der kurze Abstecher ins Zentrum von Le Havre, dürfte für eigne Zeit der letzte gewesen sein. Ich hatte Glück das ich in die Stadt konnte. Man hat uns gesagt, dass es zu weit wäre In die Stadt. Trotzdem wollte ich mir mal die Füße vertreten. Ich ging also vorschriftsmäßig in Begleitung eines Stewards zur Schiffsrampe, dort traf ich den Chief – Engineer, welcher sich einen Chauffeur zur Stadt bestellt hatte. Er lud mich zum mitfahren ein, was ich natürlich gerne annahm. Dass ich beim Lunch nicht vermisst wurde, schrieb ich ein SMS an meine Schweizer Kollegen, dass ich ausgebrochen sei.

Das Schiff hat am Sonntagabend von Le Havre abgelegt. Nun sind wir auf direktem Weg Richtung Dakar, wo wir etwa am nächsten Sonntag 25. September eintreffen sollten. Das Schiff fährt mit 33 km/ h. Der Tagesablauf ist so, dass es um 7:30 Uhr Frühstück gibt, bereits um 11:00 folgt das Mittagessen. Um 18:00 Uhr gibt es Nachtessen. Ich lese sehr viel, auch Zeitungen. In Le Havre habe ich mir mehrere Ausgaben der Solothurner AZ herunter geladen. Zwischendurch gehe ich auf die Aussendecks und spaziere da an der frischen Seeluft. Um draussen zu sitzen ist es noch zu kalt. An Bord hat es einen Aufenthaltsraum mit vielen Büchern, DVD’s und Gesellschaftsspielen. Ferner ist da auch noch ein Fitnessraum mit allen möglichen Geräten. Den TV in meinem Zimmer habe ich bisher noch nicht benützt. Auf meinem PC verfolge ich den Fahrkurs des Schiffes. Morgen Dienstag werden wir zur Frühstückszeit die nordwestliche Ecke von Spanien erreichen.

Dienstag 20. September 2011

Mittlerweile fahren wir entlang der Küste von Portugal, allerdings in einer Entfernung von ca. 170 km, so dass man kein Land sehen kann. Nun ist es auch schön warm und ganz ruhige See. Also konnte man den ganzen Tag auf dem Aussendeck sitzen und lesen. Am Nachmittag gab es Alarm. 20111013-104341Besatzung und alle 11 Passagiere mussten Schwimmwesten anziehen, den Isolieranzug hat man nur mitbringen, aber nicht anzuziehen müssen. Alle mussten sich am Versammlungsplatz einfinden. Dort musste dann die Besatzung den supponierten Brand im Innern löschen. anschliessend wurde ein leeres Rettungsboot abgelassen.

20111013-104435Bis am Abend passierten wir, immer noch ohne Sicht auf’s Land, die Küste vor Lissabon.

Mittwoch 21. September 2011

Nun sind wir in Afrika. Ich kann das Fenster zum Meer den ganzen Tag offen lassen. Es ist angenehm warm. Heute habe ich mal die Waschküche in Beschlag genommen. Es hat eine sep. Waschküche für Passagiere mit Waschmaschine, Tumbler. Waschmittel steht auch zur Verfügung.

Heute waren wir alle auf der Brücke vom Kapitän zum Apero (alkoholfrei) eingeladen. Er verlässt das Schiff in Dakar nach 5 Monaten auf See und hat 2 Monate Urlaub. Morgen fahren wir zwischen den kanarische Insel und der Westsahara durch, da sollten wir wieder einmal SMS empfangen können. Den Reisebericht kann ich erst wieder absetzen, wenn ich mal wieder ein WiFi finde.

Großes Highlight für mich heute. Das Schiff hat plötzlich Fahrt verloren, ich bin natürlich schnell auf die Brücke um zu sehen was da los ist. Der Kapitän hat erklärt, dass dies eine weitere Übung sei. Nach vollem Stillstand, werde eine 360° Drehung durchgeführt. Ich durfte mal am Steuerruder einen vorgegebenen Kurs ansteuern. Das ist aber nicht so einfach, weil man schon vor erreichen der Kursvorgabe auf Gegenkurs drehen muss. Das hätte ich nie gedacht, dass ich einmal am Steuerrad eines Frachters stehen darf. Supererlebnis!

Konzentriert am Steuer! So einfach ist es nämlich nicht!

Konzentriert am Steuer! So einfach ist es nämlich nicht!

Donnerstag 22.September 2011

Heute sind wir zwischen den kanarischen Inseln und Westsahara durchgefahren. Man konnte aber weder auf Steuerbord noch auf Backbord Land erkennen. Nun habe ich seid Reisebeginn bereits das dritte Buch gelesen.

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Das Bild zeigt die heutige Tagesration, Lunch und Dinner ohne Frühstück.

Freitag 23. September 2011

Noch einen Tag von Dakar entfernt. Heute ist es draussen zwar sehr warm, doch ist die ganze Luft voll feinem Sand der offensichtlich aus der Sahara hier her geweht wird. Es schaut aus wie Nebel. Ich war draussen auf Deck bis meine Augen brannten. Also verbrachte ich den Tag meist im Aufenthaltsraum mit lesen und nicht zu vergessen mit Essen.

Samstag 24. September 2011

Gegen Mittag sind wir in Dakar (Senegal) eingelaufen. Es ist jedes Mal ein Erlebnis von der Brücke aus zu beobachten, wie ein derart riesiges Schiff vom Lotsen, fast cm genau an seinen Platz manövriert wird. Nach dem Mittagessen sind wir zu Fünft in die Stadt gegangen. Man hat uns geraten einen Guide zu nehmen, weil es sonst zu gefährlich wäre. Es hat unendlich viele Leute, welche überall rumstehen oder rumsitzen. Hier werden alle Schrottautos, die bei uns keine Zulassung mehr haben, ausgeladen. Die Armut scheint hier sehr gross zu sein. Da wird es mir einmal mehr bewusst, in welch privilegierten Verhältnissen wir leben dürfen. Man hätte vielleicht auch hier geboren werden können. Also kann man nur dankbar sein, dass, wer auch immer, uns da zur Welt hat kommen lassen, wo wir sind. Da sind doch all unsere Sorgen und Nöte die uns manchmal plagen mögen, einfach nichts.

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Sonntag 25. September 2011

In Dakar hat unser bisheriger Kapitän das Schiff verlassen. Den neuen Kapitän spürt man an der Reaktion der Besatzung. Die lasche Kleiderordnung scheint nicht mehr zu gelten, plötzlich sind alle Offiziere in Uniform am Tisch. Die Türen zu Speisesaal und Aufenthaltsraum müssen zu sein. Die Küche wurde blitzblank gesäubert usw.

Wir haben nachts um 2 Uhr Dakar verlassen und sind nun unterwegs nach Freetown in Sierra Leone. Es ist wieder angenehm um draussen zu sitzen. Heute haben wir hunderte von Delphinen beobachten können. Das gesamte Oberdeck ist nun von Schrottautos befreit, so dass man jetzt dort richtig spazieren kann.

Montag 26. September 2011

Weil offensichtlich der Hafen von Freetown noch besetzt war, musste die Grande San Paolo den ganzen Nachmittag vor Freetown hin- und herfahren. Die Sonne brennt wieder gnadenlos, so das ein Aufenthalt in der Kabine mit Klimaanlage die bessere Alternative darstellt. Ab und zu auf’s Oberdeck um Ausschau zu halten, aber immer wieder zurück um sich keinen Sonnenbrand einzufangen.

Dienstag 27. September 2011

Ganze 24 Stunden sind wir vor dem Hafen von Freetown in Kreisen auf dem Meer rumgefahren. Wenigstens haben wir ein paar Walfische beobachten können. Heute Mittwoch kam endlich das OK, so dass wir endlich in Freetown anlegen konnten. Die Stadt ist sehr schön an kleineren Hügeln angelegt. Unten am Meer sind die Blechbuden der Slums. An den Hängen scheinen die etwas besser betuchten zu wohnen. Nun kann man verstehen, dass es hier nicht zu empfehlen ist, das Schiff zu verlassen.

Entweder bin ich Seekrank oder habe mir den Magen beim Essen in Dakar verdorben. Jedenfalls habe ich heute mal auf’s Essen verzichtet und die Medikamente für Durchfall geschluckt.

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Mittwoch 28. September 2011

Ein weiterer unfreiwilliger Fastentag liegt hinter mir. Immer sind wir noch in Freetown. Hier gibt es keine Hafenkräne. Die ganze Be- und Entladung erfolgt mit den zwei Kränen vom Schiff. Ein Container der in europäischen Häfen in ca. 2 bis max. 3 Minuten verladen wird, dauert hier min. 10 Minuten bzw. meist noch mehr.

Donnerstag 29. September 2011

Die Luft im Hafen ist sehr schlecht. Ein extremer Abgasgestank liegt hier in der Luft, so dass man besser im Innern bleibt. Ich bin froh, wenn es wieder losgeht. Und das tat es dann auch. Wir haben am Nachmittag endlich den Hafen von Freetown verlassen um unsere Atlantik Überquerung zu beginnen. Bis zu unserem Ziel Vittoria sind es 4350 km, also ca. 6 Tage. Meine Fastenzeit ist glücklicher weise zu Ende und ich kann wieder voll zuschlagen. Muss lediglich bei Giuseppe oder Lofi, unseren Stewards, eine neue Packung Toilettenpapier bestellen.

Freitag 30. September 2011

Unterwegs auf dem Atlantik. Kein anderes Schiff ist weit und breit zu sehen, nur Wasser und Himmel. Es ist angenehme Luft und im Schatten auch eine angenehme Temperatur, so dass man den ganzen Tag draussen auf Deck sitzen und lesen kann.

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Ab und zu sieht man fliegende Fische. Ich bin erstaunt wie weite Strecken die fliegen können. Die Zeitanpassung erfolgt jeweils mittels Durchsage über Bordlautsprecher. Es wird immer, wenn es erforderlich ist, in der Nacht um eine Stunde zurückgestellt und das so oft, dass wir im Ankunftshafen dann auf Ortszeit eingestellt sind. Mittlerweile haben wir bereits 4 Stunden Zeitrückstand zur Schweizerzeit.

Auch am Abend kann man lange draussen sitzen, den wunderschönen Sternenhimmel betrachten und seine Gedanken übers Meer, bis hinauf ins Weltall ziehen lassen.

Samstag 1. Oktober 2011

Heute bin ich bereits 3 Wochen auf dem Schiff. Wir nähern uns dem Äquator um in die südliche Halbkugel der Erde einzufahren. Um 10 Uhr heute Vormittag wurden alle Passagiere zur Brücke gerufen. Zuerst wurden 3 Männern der Crew, welche das erste Mal den Äquator überquerten, mit dem Rasierapparat eine Schneise über den Kopf einrasiert. Dann waren wir Passagiere dran, Neptun erschien mit seinem Dreizack. Der Kapitän schüttete über jedes Haupt, eine klebrige undefinierbare Brühe aus einem Gemisch, das wie ich vermute aus Haselnusscreme und Milch bestand. Anschliessend wurden wir von Kopf bis Fuss mit dem Hydranten, mit Meerwasser abgespritzt. Nun sind wir also alle Äquator getauft. Der Kapitän hieß uns auf der südlichen Halbkugel willkommen und gab uns vor dem Champagner – Aperetiv auf der Brücke, Gelegenheit uns kurz zu duschen und trockene Kleider anzuziehen. Heute Abend ist eine Grillparty auf dem obersten Deck bei der Brücke angesagt.

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Vom Hydranten abspritzen konnte ich leider keine Bilder machen, weil ich die Kamera vorsorglich in Sicherheit bringen musste.

Die Grillparty zur Feier unserer Äquator-Taufe fand dann wieder in gesitteter Art und Weise statt. Die Küchenmannschaft hat alles gegeben. Es gab gegrillte Poulets und gegrillten Fisch, dazu Spagetti, Bratkartoffel, Reis, Pizza Fruchtsalat, das volle Programm. Das Wetter hat uns auch nicht im Stich gelassen. Wir konnten lange draussen sitzen.

Sonntag 2. Oktober 2011

Nach dem gestrigen ereignisreichen Tag, musste wieder mal ausgespannt werden. Also faulenzen, lesen und verdauen. Gestern habe ich den Kapitän ein wenig über das Schiff ausgefragt. Auf dem Schiff sind 21 Mann Besatzung. Pro Tag (24h) werden 70 Tonnen Treibstoff verbraucht, also rund 3 Tonnen pro Stunde. Insgesamt können 3000 Tonnen gebunkert werden. Die Route welche wir fahren hat praktisch keinen Verkehr, das ist der Grund weshalb wir keine anderen Schiffe mehr sehen.

Montag 3. Oktober 2011 und Dienstag 4. Oktober 2011

Wir hatten beide Tage gleiche ruhige See, schönes Wetter und weit und breit kein anderes Schiff. Es ist gut mal so, wie zu früheren Zeiten den Atlantik zu überqueren, denn nur so kann man erfassen, wie weit das eigentlich ist, wie viel Wasser auf unserem Planeten vorhanden ist und wie schön der nächtliche Sternenhimmel sein kann.

Mittwoch 5. Oktober 2011

Land in Sicht! Die Atlantik Überquerung ist geschafft. Wir nähern uns Vitória (Brasilien). Die Einfahrt in den Hafen war ein echtes Erlebnis, zwischen Felsen, links und rechts die Häuser der Stadt Vitória. Nach dem Mittagessen wollte ich von Bord. Die Pässe sind aber bis zum Abend beim Zoll geblieben, so dass erst kurz vor dem Nachtessen das OK zum Landgang erteilt wurde. Inzwischen ist es dunkel und ich verzichte auf den Ausgang. Es gibt kein langsames eindunkeln. Nach Sonnenuntergang ist es so, wie wenn jemand plötzlich das Licht ausgeschaltet hätte. Morgen geht’s weiter nach Rio de Janeirro. Ich hoffe, dass da die Zollformalitäten schneller gehen.

Donnerstag 6. Oktober 2011

um 11 Uhr haben wir in Vitória abgelegt. Ich habe einen Film von der Ausfahrt aus dem Hafen gedreht und heute auf der Fahrt Richtung Rio de Janeiro zusammengesetzt. Unterwegs haben wir wieder mal Wale gesehen. Alle sind gespannt auf die morgige Einfahrt in Rio de Janeiro.

Freitag 7. Oktober 2011

Morgens um 5:30 Uhr sind wir in Rio de Janeiro eingefahren.

Welches ist der Zuckerhut?

Welches ist der Zuckerhut?

Es hatte leicht Nebel, so dass man anfänglich das wunderschöne Panoramen der Stadt nur ansatzweise sehen konnte. Rio ist wirklich traumhaft schön in die Landschaft eingebettet. Um 9 Uhr kam das OK. vom Zoll. Natürlich sind alle Passagiere sofort von Bord. Ich bin mit Margret, Jörg, Jan und Engeline aus Holland, mit dem Taxi zur Copacabana gefahren. Wolkenloser Himmel 27°C. Anschliessend sind wir noch durch die Stadt spaziert. Alles ist sehr hektisch, Wahnsinns Verkehr. Die Leute sind sehr nett und stolz auf ihre Stadt.

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Heute Abend um 18 Uhr haben wir bereits wieder abgelegt und bei der Ausfahrt noch einmal das herrliche Panorama der Stadt auf uns einwirken lassen. Morgen früh sollen wir bereis wieder in Santos anlegen.

Samstag 8. Oktober 2011

Wir waren dann auch sehr früh in Santos, fanden aber offensichtlich keinen Platz im Hafen. Vor Santos habe ich mehr als 40 Schiffe gezählt, welche hier auf Reede liegen. Auch die Grande San Paolo hat sich nach einigen Umkreisungen auf Reede gelegt. Gemäß Auskunft der Mannschaft, sollen wir hier bis Montag warten, weil sonntags im Hafen nicht gearbeitet würde. Wenigstens muss hier nicht mehr im Kreis gedreht werden, wie vor den Küsten in Afrika, wo befürchtet werden musste, dass sich bei Stillstand, Boote zum entern nähern könnten. Inzwischen habe ich schon viele Bücher gelesen und meinen Spanischkurs zu Ende gebracht. Auf dem Schiff hatte ich anfänglich Mühe, mich in den Gängen zu orientieren. Wir wohnen in der 12. Etage zusammen mit der ganzen Besatzung. Hier hat es auch beidseitig Aussendecks, wo man sich im Schatten der Rettungsboote aufhalten kann. Das freie 13. Oberdeck von 120 m Länge ist seit Freetown, von Autos befreit und eignet sich um mal dort hin und her zu laufen. Mittlerweile kann ich fast blind durch die Gänge schreiten, bzw. manchmal auch ein wenig torkeln. Ob das nun vom Wein kommt oder am unruhigen Seegang liegt, weiss ich manchmal selber nicht so recht.

Sonntag 9. Oktober 2011

Ein Regentag, also leider drin bleiben und lesen.

Montag 10. Oktober 2011

Immer noch vor dem Hafen von Santos. Der Kapitän, weis auch nicht wann wir endlich einfahren können. Er sagte am Sonntag sagen sie am Montag, am Montag sagen sie am Dienstag…. Und so bleibt also nichts anderes übrig als warten. Heute war aber wieder schönes, heisses Wetter und ich bin den ganzen Tag draussen gesessen. Plötzlich gab’s dann doch noch eine Aufregung. Ralf und Ramona kamen vom Deck 3, wo unsere Autos stehen hoch und sagte, dass bei ihrem Auto die Scheibe eingeschlagen und eingebrochen worden sei. Besorgt gingen wir alle nach unten. Glücklicherweise war nur in das eine Auto eingebrochen worden. Alle anderen blieben verschont. Wir vermuten, dass das im Hafen von Rio passiert ist. Am Abend dann eine weitere traurige Sache. Lofi unser eine Steward aus Indien, teilte uns beim Nachtessen mit, dass seine Mutter Gestorben sei und er deshalb, sobald wir im Hafen seien, das Schiff verlassen würde. Wir alle haben uns dann im Aufenthaltsraum versammelt und haben den beiden, nun schon heute das Trinkgeld welches wir schon vorher gemeinsam beschlossen hatten, überreicht und uns von Lofi verabschiedet.

Dienstag 11. Oktober 2011

Ja, nun ist Dienstag, man glaubt es nicht mehr, nun sagen sie am Mittwoch…….!

Langsam wird es langweilig, immer dieselbe Küste aus der Ferne anzuschauen. Im Seefracht-Geschäft muss offensichtlich noch eine zu grosse Gewinnmarche vorhanden sein, anders kann ich es mir nicht vorstellen, dass hier ca. 40 Schiffe auf Einlass in den Hafen warten. Nur schon die Kosten unseres Schiffes mit 21 Mann Besatzung, die alle, wie wir, mehr oder weniger untätig herumsitzen. Das könnte sich doch eine normale Firma nicht lange leisten?

Mittwoch 12. Oktober 2011

Immer noch vor Anker bei Santos. Langsam fangen wir an, uns zu fragen, ob wir schon mit den Vorbereitungen auf’s Weihnachtsfest hier auf dem Schiff beginnen sollen?

so gemütlich kann es sein!

so gemütlich kann es sein!

Donnerstag 13. Oktober 2011

So ca. um 01 Uhr erwachte ich durch ein Grollen und Zittern, welches das ganze Schiff erfasste. Ich glaube wir können die Gedanken an das Weihnachtsfest auf dem Schiff doch noch vergessen. Die Nachtruhe war mir aber dann doch wichtiger. Als ich erwachte, waren wir tatsächlich in Santos angekommen.

Hier in Santos fand ich Gelegenheit mal wieder ins Internet zu kommen (Mc. Donalds sei Dank). Nebst Email, gab’s da auch noch die Solothurner AZ, so dass ich mein Weltbild wieder mal „updaten“ konnte. Dann war auch mal ein Besuch beim Coiffure fällig.

 Hier ist Haare schneiden noch um einiges billiger als beim Coiffure Istanbul in Solothurn.

Hier ist Haare schneiden noch um einiges billiger als beim Coiffure Istanbul in Solothurn.

Freitag 14. Oktober 2011

Wir sind noch im Hafen von Santos. Hier werden seit 24 Stunden Fahrzeuge der Marken VW und Fiat eingeladen. Die Fahrzeuge werden von Fahrern zuerst bis vor das Schiff gefahren, dort eingescannt und auf Schäden überprüft, um dann ins Schiffsinnere zu verschwinden. Das müssen ein paar Tausend Fahrzeuge sein, ein kontinuierlicher Strom von Autos, die im Innern verschwinden.

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Nach dem Mittagessen haben wir dann abgelegt und sind wieder unterwegs auf dem Meer.

Samstag 15. Oktober 2011

Wir wurden informiert, dass unser nächster Anlaufhafen nicht wie vorgesehen Buenos Aires sei, sondern Zarate, ein Hafen hinter Buenos Aires. Dort sollen zuerst die Fahrzeuge aus Brasilien ausgeladen werden, anschliessend geht’s dann zu unserm Ziel nach Buenos Aires.

Sonntag 16. Oktober 2011

Seit zwei Tagen sind wir wieder unterwegs auf dem Meer, entlang der Küste von Brasilien. Man sieht aber kein Land. Ich zeichne auf dem Notebook mit meinem angeschlossenen GPS Gerät, den Fahrkurs auf. So weis ich immer wo wir sind, meist ca. 70 km von der Küste entfernt. Ich sehe dann auch wie schnell bzw. langsam das Schiff fährt und kann auch ablesen, wann wir im nächsten Hafen sind. So sehe ich, dass unsere Ankunft in Zarate am Montagmorgen um ca. 6 Uhr sein wird. Ob wir dann aber gleich einfahren oder wie in Santos tagelang draussen warten müssen, weis mein Computer natürlich genau so wenig wir unser Kapitän.

Montag 17. Oktober 2011

Heute vor 3 Jahren war der traurigster Tag in meinem Leben. Alles hat sich so verändert und wird leider nie mehr so sein wie es einmal war.

Wir sind mittlerweile in Zarate angekommen und werden die nächsten 2 bis 3 Tage hie im Hafen bleiben.20111022-202447

Dienstag 18. Oktober 2011

Das erste mal in Argentinien. Zarte ist eine Provinzstadt, hat ein Stadtzentrum mit einer kleinen Grünfläche, vielen kleinen Läden und Cafés, wo man draussen sitzen kann um den vielen Verkehr und einfach die Leute beobachten kann. Der Hafen ist vor allem als Umschlagsplatz für Automobile, mir riesigen Abstelltischen. Von unserem Schiff wurden schätzungsweise 2000 Autos, viele Baumaschinen und Feuerwehrfahrzeuge ausgelassen.

Mittwoch 19. Oktober 2011

Ich habe schlecht geschlafen, weil ich dachte, dass direkt unter meinem Bett ein Autorennen statt finden würde. Die ganze Nacht über wurden Autos eingefahren und Ebenen im Schiffsinnern verschoben. Heute Mittag sollen wir wieder ablegen und heute Abend endlich in Buenos Aires eintreffen. Unsere letzte Etappe auf dem Rio Parana war schön, eine relativ enge Fahrrinne, wo sich entgegenkommende Schiffe auf kurzer Distanz kreuzen mussten. Wir kamen um 22 Uhr in Buenos Aires an und haben deshalb noch einmal eine Nacht auf dem Schiff verbracht. Das Schiff ist fast mitten in die Stadt hinein gefahren. nach 41 Tagen Schiffsleben beginnt ein neuer Abschnitt meiner Reise. Ich bin voller Erwartungen, was so alles geschehen wird.

Donnerstag 20. Oktober 2011

Bis die ganzen Zoll Formalitäten erledigt waren, dauerte es bis nach dem Mittagessen, bis wir endlich mit unseren Wohnmobilen das Schiff und den Hafen verlassen konnten.

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Mein Womo darf das Schiff verlassen

Mein Womo darf das Schiff verlassen

Unsere beiden Reiseleiter Jeanette und Uwe haben uns dann durch den hektischen, sehr rasanten Verkehrsstrom, bis zu einem grossen Einkaufscenter gelotst. Dort konnten wir zuerst mal einkaufen, Geld wechseln und wurden über die bevorstehenden Tage bis zum Reisebeginn informiert. Wir parken am Meer nahe des Stadtzentrums auf einem normalen Parkplatz. Am Abend sind wir alle zusammen (zurzeit sind wir erst 7 Personen) nach Puerto Moreno, einem sehr schönen ehemaligen Hafenviertel spaziert. Die ehemaligen In rotem Backstein erbauten Lagerhallen, wurden zu noblen Restaurants, Büros und exklusiven Wohnungen umgebaut. Wir haben dort ein argentinisches Steak mit Pilzen aus Patagonien gegessen. Mir fehlen die Worte um dieses gute Essen zu beschreiben. Nach 41 Tagen italienischer Küche mit viel Pasta, Pizza und Bifsteca ist es ein doppelter Genuss so riesige Rindfleisch Steaks zu bekommen!

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