Kangaroo Island

Samstag 11.Mai 2019. Heute trennen sich die Wege von Peter und mir. Peter fährt noch ein wenig Richtung Norden, um dann wieder Westwärts zurück nach Melbourne zu fahren um Vreni dort am Flughafen abzuholen. Ich fahre alleine weiter und wir werden uns voraussichtlich Mitte bis Ende Juni in Alice Springs wieder treffen.

Vom Barossa Valley wo es noch stark geregnet hatte, bin ich Südwärts an Adelaide vorbei Richtung Cape Javis gefahren. Dort hatte ich Glück und konnte gerade nach die Fähre um 16 Uhr erreichen. Am Fährhafen traf ich zwei nette junge Schweizer Martina und Severin, beides Tauchlehrer die Schon sheit zweieinhalb Jahren auf Reise sind. Sie haben mich angesprochen, weil sie überrascht waren ein Auto mit Solothurner Kennzeichen zu sehen. Wir sind dann während der Überfahrt zusammen gesessen und hatten einander vieles zu erzählen.

Gleich nach der Ankunft in Peneshaw bin ich dort auf den nächsten Campground, weil ich nicht in der Dämmerung fahren will. Am Abend besuchte ich mit einer Gruppe eine geführte Tour um die kleinen Pinhine, welche an dieser Küste leben, zu besuchen. Wir benützten Taschenlampen mit Rotlicht, weil das die Tiere nicht stört. Die junge engagierte Führerin gab sich viel Mühe die Küste abzuleuchten, doch mehr als 10 Pinguine haben wir leider nicht gesehen. Dafür sind uns viele Wallabis fast über die Füsse gestolpert. Als Wallabys werden mehrere kleine Arten aus der Familie der Kängurus bezeichnet.

Weiter ging die Reise zuerst nach American River dann nach Kingscote, der Hauptstadt der Insel an der Nordküste. Dort sah ich schwarze Schwäne, Pelikane und Seelöwen die am Peer faulenzten.

Nach einem kurzen Mittagsschläfchen am Peer in Kingscote, ging es weiter zur Südküste. Erste Station Seal Bay, wo australische Seelöwen ihre Ruhezonen am Ufer haben. Die Seelöwen sind ununterbrochen schwimmend 3 Tage bis 100 km unterwegs im Meer. Erschöpft kehren sie immer wieder an ihren Geburtsort zurück, um sich dann 3 Tage auszuruhen. Sie überwinden dann steile Sanddünen um sich, wenn die Sonne zu sehr brennt, im Schatten der dortigen Büsche auszuruhen.

Ich hatte mich zu lange in Seal Bay aufgehalten. Ich wollte ja weiter bis zum Western Caravan Park in Karatta. Um 17 Uhr fängt die Dämmerung an. Ich bin nur noch ca. 50 Km/h gefahren, weil in der Dämmerung die Kängurus aus den Büschen kommen. Und tatsächlich zwei mal überquerten vor mir Kängurus die Fahrbahn. Es lohnt sich also dann langsam zu fahren.

Und als ob der Tag nicht schon genügend geboten hätte, bin ich vom Campground aus noch ein wenig in den Busch spaziert. Nebst vielen Kängurus hatte ich das Glück mehreren Koalas zu begegnen

Koala man kann sich nicht satt sehen an ihnen.

Koalas geniessen ein beneidenswert geruhsames Leben. Ungefähr 20 Stunden am Tag schlafen Sie, den Rest verbringen Sie mit fressen, dass nicht gejagt oder gesucht werden muss, sondern nachdem sie nur den Arm ausstrecken müssen. Die grossohrigen Beutler ernähren sich fast ausschliesslich von Eukalyptusblättern. Dabei sind sie äusserst wählerisch und fressen nur die Blätter von wenigen der über 100 vorkommenden Arten. Trinken müssen Koalas nur in extremen Hitzeperioden, ansonsten deckt der Verzehr der Blätter ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf ab. Einmal im Jahr, zwischen Oktober und März, bringt die Paarungszeit etwas Leben in den geruhsamen Alltag. Dann erweckt das wilde Tier in den ansonsten so pragmatisch wirkenden Beutlern an. Das gilt zumindest für die Männchen, die mit ohrenbetäubenden Brunftschreien die Aufmerksamkeit empfindlicher Weibchen zu erregen versuchen. Dass der Koala im Grunde ein eingefleischter Einzelgänger ist, beweist sich letztendlich auch beim Paarungsakt, der nur 1 Minute bis 2 Minuten dauert. Danach trennen sich die Wege der beiden wieder. Das Weibchen gebärt nach einem guten Monat, ein nur 2 cm grosses, embryologisches Junges. Dieses kriecht durch das Fehlen der Mutter in den Beutel, wo es sogleich zu säugen beginnt. Für die nächsten 6-7 Monate wird das kleine ausschliesslich mit Milch gesäugt, danach wird seine Diät um eine Substanz bereichert die als pap bekannt ist. Dabei handelt es sich um einen speziellen Kot, der vom Muttertier ausgeschieden und vom Jungtier aufgenommen wird. Der Kot ist zähflüssig und mit wichtigen Bakterien aus der Magen und Darmflora der Mutter angereichert. Erst durch die Aufnahme dieser Bakterien ist das Junge in der Lage sich ebenfalls von den schwer verdaulichen Eukalyptusblättern zu ernähren. Rund zwölf Monate bleibt das junge bei der Mutter, bevor er sich eine gemütliche Astgabel sucht und dort sein eigenes geruhsames Leben beginnt.

Am frühen Morgen habe ich noch einmal einen Spaziergang unternommen und wieder viele Koalas beobachten können. Sie sind hoch oben auf den ca. 30 m hohen Eukalyptusbäumen und schauen neugierig auf einem hinab. Bei dieser Wanderung habe ich nebst den vielen Kängurus und Wallabys, an die ich mich mittlerweile gewöhnt habe und schon fast nicht mehr hin schaue, auch einen Ameisenigel, schwarze Schwäne und Wildgänse gesehen. Die Weite der Landschaft mit ihrem üppigen Grün, den grossen Bäumen und Büschen ist einfach unglaublich schön.

Eine Bucht wie viele, einfach traumhaft schön.

Weiter ging es zum Flinders Chase Nationalpark. Man bezahlt eine Eintrittsgebühr von 11$ und kann sich beim Visitor Center auch eine nummerierte Parzelle für 15$ pro Nacht reservieren lassen. Beim Visitor Center habe ich die zwei netten Schweizer wieder getroffen. Sie haben auch am Snake Logon wie ich gebucht. Zwei Tage bin ich da unten in der Wildnis geblieben. Im Flinders habe ich zuerst Admirals Arch besucht.

Als nächste Station Remarkabel Rocks, (wirklich bemerkenswerte Steinfelsen).

Zum Znacht habe ich dann zum ersten mal, meinen eigenen kleinen Grill im Freien angeworfen und mir ein schönes Porterhouse Steack gebraten.

Am frühen Morgen habe ich dann den ersten Hike unternommen. Meine Schmerzen an den Rippen haben nach gelassen und so konnte ich mich, auf den gut beschilderten Snake Logon Hike begeben und vom Campground bis zur Mündung des Snake Rivers laufen. Den Rest des Tages habe ich mit Lesen am Campground verbracht. Immer wieder haben mich Kängurus besucht und sich in keiner Weise durch mich gestört gefühlt. 

Am Zugang zu jeder Wanderung muss mann seine Schuhe reinigen!

Am Mittwoch habe ich den Park verlassen und bin auf einer Naturstrasse zur Nordküste gefahren. Dort fand ich einen einfachen Campingplatz am Meer. Dieser Platz ist weit ab der Zivilisation. Man muss sich selber Registrieren und die 15$ in eine Box werfen. Es hat wie an manchen Rastplätzen unterwegs. Tisch und Bänke, eine Toilette und natürlich einen Elektrogrill, den man kostenlos benützen darf.  

Donnerstag 16. Mai nach 4 Tagen in der Wildnis ohne Telefon-Verbindung bin ich heute auf der Nordroute, Allred’s Gravel Road in einer wunderschönen Landschaft, bis nach Emu Bay gefahren um dort wieder einmal Wasser zu tanken. Aber zuerst fuhr ich noch zum Waterfall Creek Hike. Mutterseelenallein schon auf der ganzen Anfahrt und dann auf dem Hike, bin ich gut ausgerüstet, mit Rucksack, Wanderstöcken und Satelitten-Telefon los marschiert. Die Wanderung dauerte ca. 2 Stunden. Man sieht und hört viele Vogelstimmen, teilweise ganz schön farbige Exemplare. Sonst ist es absolut still, ausser wenn ein Känguru erschrickt und knapp 2 m neben einem hoch springt. Die Kängurus sind dann nicht die einzigen die erschrecken.

Der Wasserfall erwies sich dann als kleineres Rinnsal, aber die Wanderung war dennoch sehr schön.

Langsam aber sicher muss ich wieder Richtung Penneshow, dort wo die Fähre wieder zurück auf‘s Festland ablegt, fahren. Ich habe für Sonntag in der Frühe gebucht, weil ich am Montag einen Termin in Adelaide wahrnehmen muss. Über diesen Termin berichte ich dann später. Also alles auf der Gravel Road Nord bis Emu Bay, wo ich eine weitere Nacht verbracht habe.

An Kingscote, wo ich noch ein paar Einkäufe gemacht habe, mir die Pinguine und Seelöwen noch einmal angeschaut und bin dann weiter bis zum Antechamber Nationalpark gefahren, wo ich noch eine Nacht am Strand verbringen möchte. Das Meeresrauschen ist so beruhigend beim Einschlafen.

Der erste in Südaustralien erbaute Leuchtturm auf Cape Willoughby