Great Ocean Road

Freitag 26. April 2019.
Nun können wir endlich los fahren. Von Melbourne geht es auf die Great Ocean Road. Wir haben uns wie vereinbart, in Lorne getroffen und zusammen Mittag gegessen. Die Great Ocean Road ist eine 243 km lange Straße, die entlang der Südküste verläuft. Sie gilt als eine der bekanntesten Scenic Routes bei Touristen in Australien. In einer Studie wurde festgestellt, dass jährlich zwischen 6,5 und 7,5 Millionen Besucher in die Region der Great Ocean Road kommen. So hat es entsprechend viel Verkehr. Frei Übernachten ist überall verboten. Deshalb sind wir in Way River auf einen Campingplatz gefahren. Die Campingplätze in Australien sind sehr teuer. 48 AUD für eine Nacht das sind 34.— für einen einfachen Platz, wo man nicht einmal die Toiletten-Kassette entleeren kann.

Am Morgen bemerkte ich, das meine Brille noch oben im Bett lag. Also kurz hoch krabbeln Brille fassen und dann………..ein unverzeihlicher Fehler ….. rückwärts runter und die Trittstufen verfehlt. Katsch lag ich auf dem Rücken am Boden. Arme an den Trittstufen aufgekratzt und blutend…nicht schlimm, aber der Rücken ? Ich kann mich nur noch langsam bewegen weil es bei jeder Lageveränderung schmerzt es. Sitzen und fahren geht deshalb weiter entlang der Great Ocean Route mit Abstecher in die nahen Berge im Otway Nationalpark. Dort führete die Fahrt durch einen atemberaubenden Regenwald mit hohen Eukalyptus Bäumen und über mannshohem Farn. Im Otawy stehen die letzten Urwälder des südlichen Australiens. Am stürmischen Cape Otway haben wor den 1848 erbauten Leuchtturm besichtigt und anschliessend im nahen Campingplatz übernachtet. Hier soll es nebst vielen Vogelarten auch viele Koalas geben. Leider habe ich bisher noch keinen gesehen.

Der Schmerz im Rücken ist durch eine unglückliche Bewegung noch stärker geworden. Aus diesem Grunde bleiben wir einen Tag länger auf dem Camping in Cape Otway.

Nachdem ich am Sonntag keine nennenswerte Unterstützung im Spital von Apollo Bay bekommen hatte, fuhr mich Peter wieder zurück zum Camp. Am Montag sind wir beide dann früh los gefahren, haben unterwegs noch eine Känguru Herde und auf der Strasse zwei überfahrene Wombats gesehen. Kurz nach 9 Uhr war ich im Spital von Colac und wurde dort gründlich untersucht und geröntgt. Diagnose wahrscheinlich eine Rippe gebrochen, genau könne man das auf dem Röntgenbild nicht erkennen. Man gab mir ein sehr starkes Medikament das mich schwindlig machte und verbot mir weiter zu fahren. Peter hat inzwischen einen Campingplatz am See gefunden, dort gewartet und mich dann mit Taxi so gegen 13 Uhr abgeholt und gleich meinen Camper zum Platz am See gefahren. Mit zwei Arten von Schmerztabletten werde ich also die nächsten Wochen (man rechnet mit 6 Wochen) weiter verfahren. Ausserdem musste ich Ballons kaufen und diese jeweils aufblasen, damit meine Lunge was zu tun hat.

Auf dem Weg entlang der Great Ocean Route gibt es unzählige Haltepunkte wo man die Felsklippen sehen kann und auch Wege runter zum Meer führen. Die berühmtesten sind die 12 Appostel und die London Bridge, bei welcher aber der mittlere Teil der “Brücke“ eingestürzt ist.

In Portland einer kleinen Küstenstadt sind wir als RV-Touristen wilkommen. Man kann hier auf einer Wiese gratis übernachten und erst noch sein Wohnmobil entleeren. Durch die Stadt führt ein nostalgisches Tram, welches auf einer 7.4 km langen Rundtour durch die Stadt führt. Früher als cable Tram, heute mit Dieselbetrieb.Auf Kreuzungen muss der mitfahrende Kondukteur mit einer roten Fahne aussteiogen um den Verkehr zu stoppen.

Der Bundesstaat Victoria endet und wir fahren in den Bundesstaat South Australia. Die Bundesstaaten entstanden aus eigenständigen britischen Kolonien, die vor der Unabhängigkeit Australiens 1901 existierten. Deren Rechte sind durch die australische Verfassung   geschützt, sie besitzen jeweils eine eigene Verfassung und eigenes Parlament mit weitgehenden Rechten. Vom Bund erlassene Gesetze gelten in den Staaten nur in den Bereichen, in denen es die Bundesverfassung ausdrücklich zulässt. Bisher war die Höchstgeschwindikeit bei 100 km/h nun sind es aber 110 km/h. Ich fahre eigentlich nur 80 km/h. Die vielen Holztransporter kommen mir dann ganz nahe, en die wollen am Limit fahren. Also versuche ich bei passender Gelegenheit auszuweichen, damit sie ihren Zeitplan einhalten können.

Eine weitere Besonderheit, man wird schon frühzeitig vor der imaginären Grenze darauf aufmerksam gemacht, dass keine Früchte, Gemüse etc. in den anderen Bundesstaat transportiert werden dürfen. Also habe ich davor noch einen Apfel gegessen und den anderen Apfel in den Quarantäne-Behälter entsorgt.

Der gelbe Behälter dient zum Entsorgen

Heute haben wir die kleinen Küstenstätte Beachport und Robe besucht. In Beachport führt ein 700 m langer Peer hinaus auf‘s Meer. Also gut für einen Morgenspaziergang.

Dann sind wir ein Stück ins Landesinnere zum Naracoorte Nationalpark gefahren. Von den 18 Welterbestätten auf dem australischen Kontinent gibt es nur eine einzige in Süd Australien und diese liegt im Naracoorte Nationalparks. Es sind die Naracoorte Caves , die es geschafft haben, auf die Liste der UNESCO zu kommen. Bei den Caves handelt es sich um einen Höhlenkomplex, der sich in einer bis zu 300 m mächtigen Schicht aus Kalkstein erstreckt und aus über 20 Höhlen besteht. Ausgestattet mit üppigen Tropfsteinformationen entwickelten sich die Höhlen schon bald nach der Entdeckung im Jahr 1845, zu einem Touristenmagnet. Ein leichter Luftzug der an einer Stelle zu spüren war an der es eigentlich keinen hätte geben dürfen, erweckte die Aufmerksamkeit der Forscher und führte zur Entdeckung einer Kammer die hinter einer extrem schmalen Felspassage verborgen gewesen war. In paläontolischer Hinsicht war dies eine der Entdeckung des Jahrhunderts, denn die Kammer erwies sich als fossile Schatztruhe. Die Schatztruhe ist 60 m lang 20 m breit und besteht aus einer bis zu 4 m mächtigen Schicht, die schätzungsweise 5000 t Knochenmaterial enthält. In dieser Schicht wurde bis heute ein 400’000 Jahre langes Kapitel aus der Evolutionsgeschichte der australischen Fauna bewahrt. Allerdings ein Kapitel, dass erst Stück für Stück beziehungsweise Knochen für Knochen wieder zusammen gesetzt werden muss. Über 90 Arten wurden bereits identifiziert, die ältesten lebten vor 400’000 Jahren, die jüngsten vor ca. 18’000 Jahren. In dieser Zeitspanne wurde die Kammer für unzählige Tiere zur Falle, die versehentlich oder Nahrung witternd- durch ein damals bestehendes Deckenloch zu Tode stürzten. Auch andere Höhlen der Naracoorte Caves erwiesen sich als Fallgruben, aber in keiner häufte sich eine derart grosse Menge an Fossilien an wie in der Victoria Cave.

Und diese Victoria Caves konnten wir auf einer geführten, sehr interessanten Tour besichtigen. Die Führerin erklärte alles in gutem Englisch, ohne den hier üblichen „Slang“, so dass ich es sehr gut verstehen konnte. Ein insgesamt tolles Erlebnis.

Das Skelett eines Simosthenurus occidentalise.

Ein solch natürlich gebildetes Loch war die Falle für Tiere. Nach und nach viel Sand von oben herunter und verschüttete die Höhle und damit die unten gefangenen Tiere. Dadurch wurden diese optimal konserviert und können heute erforscht werden.

Lebensgrosse Stazue eines Diprotodon

Im Naracoorte Park haben wir übernachtet und am Morgen einen Spaziergang im Park gemacht. Dabei haben wir andere Caves bzw. Löcher zu den Caves gesehen.

Weiter wieder Richtung Ozean bis in den Coorong-Nationalpark wo wir einen tollen Platz an einer Lagune gefunden haben. Auf der heutigen Strecke habe ich mehr als 10 tote Kängerus am Strassenrand gezählt, auch Wombats und eine tote Katze. Das macht mir richtig Angst zum fahren, den dichte Büsche stehen bis zu Strassenrand. Da wäre man machtlos, wenn ein Känguru plötzlich aus den Büschen auf die Strasse hüpft.

Ich zeige aber lieber Fotos von lebenden Kängurus, die wir heute beim Morgen Spaziergang gesehen haben.

So macht Campen Freude, kein Mensch weit und Breit nur Pelikane die lautlos vorbe fliegen.

Nach mehreren Tagen mit abwechselnd Regen und Sonnenschein, sind wir wir mittlerweile im Barossa Valley angekommen. Das Barossa Valley ist eine Gegend etwa 70 km nordöstlich von Adelaide. Mit einer Rebfläche von ca. 10.000 ha ist es das bekannteste Weinbaugebiet Australiens. Zum Wein Tasting haben uns einen Fahrer gemietet und sind einen ganzen Tag von Weingut zu Weingut gefahren, haben viel vom Weinanbau erklärt bekommen und an allen Stationen vom günstigsten bis zum teuersten Wein probiert. Günstig fängt hier bei 25$ an und endet bei über 100$. Man erhält in jedem Weingut ca. 5 Weine zur Probe. Es wird nicht erwartet, das man kauft. Die Weinproben sind im Arrangement mit dem Fahrer inbegriffen. Ferner ist auch ein feiner Lunch mit dabei. Ausserdem haben wir noch bei einem Käser und bei einem Wurst-Hersteller einen kurzen Halt gemacht um dessen Produkte zu versuchen.

Unser Chauffeur macht es sich gemütlich am Kamin und wartete jeweils geduldig
Kommentare
  1. Rolf Klein sagt:

    Liebe Lina, ich sehe jeden Tag Kängurus, habe mich schon daran gewöhnt. Heute war ich auf einer Wanderung, ganz alleine in der Wildnis. Jedesmal wenn zwei Meter neben mir ein Känguru aufgeschreckt ist, bin ich auch immer wieder erschrocken. Seelöwen habe ich von weitem gesehen. Es war wie ein See, weil Wasser vom Meer sich zwischen den Felsen gesammelt hatte. Die Seelöwen sind darin rumgetollt, aber leider zu weit weg um schöne Fotos zu machen. Mir gefallen die Koalas so gut, sehen doch aus wie kleine Bärchen. Du must mal die Seite Kangaroo Island anschauen. Lina mach’s weiter gut in der Schule. Ich freue mich wieder von dir zu Hörern. Liebe Grüsse dein Grosspapi

  2. Silvia und Lina sagt:

    Lieber Grosspapi, so schöne Fotos von den Tieren. Mir gefallen die Seehunde so gut! Hast du schon mal ein Kängeru mit einem Baby im Beutel gesehen? Kannst du mir mal ein Filmli von den Seehunden machen? Liebe Grüsse deine Lina

  3. Rolf Klein sagt:

    Es freut mich, das ihr meinen Bericht lest. Inzwischen bin ich auf Kangaroo Island. Die Überfahrt auf die Insel hat sich in jeder Hinsicht gelohnt.

  4. Marina und Rolf sagt:

    Hallo Rolf. Das Weingut auf dem Foto sieht traumhaft aus. Sicher war es ein interessanter Tag und nach dem feinen Wein waren hoffentlich auch deine Rückenschmerzen etwas eingenebelt.
    Wir verfolgen deine Reise wieder mit Spannung. Rolf und ich haben erst die Ostküste und im Süden bis kurz vor Melbourne bereist. Der Westteil steht noch auf unserer bucket list.
    Heb dir Sorg. Liebi Grüess und weiterhin gute Reise. Marina und Rolf

  5. Rolf Klein sagt:

    Hallo Lotti und Hans, danke, zum Fahren geht es einigermassen, es schmerzt nur wenn ich mich bewege. Mit den Ballonen hast du absolut recht. Hier in Australien gilt null Toleranz betreffend Alkohol. Allerdings habe ich bis jetzt sehr wenig Polizei gesehen. Hätte aber auch keine Probleme, wenn sie mich mal anhalten würden.

  6. Hans Pavel sagt:

    Hoi Rolf. Hoffentlich kannst du wenigstens halbwegs gut schlafen und bist beim Fahren nicht zu sehr eingeschränkt. Immer noch besser Ballons aufblasen als ins Röhrchen blasen. Freuen uns schon auf weitere schöne Fotos und wünschen dir gute Besserung. Liebe Grüsse Lotti + Hans

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